„Nicht-Wissen“ oder „falsches Wissen“ – bedeutet in der Yogaphilosophie Avidya
Wir nehmen die Welt immer subjektiv wahr, denn unser Verstand lenkt uns auf die Dinge, die er sehen will. Kennst Du das? Du hast ein rotes Auto gekauft und plötzlich fahren alle mit roten Autos herum? Selbstverständlich sind die anderen Fahrer bereits vor Dir mit roten Autos unterwegs gewesen aber Du hast es nicht registriert, weil es Dir nicht wichtig war. Dein Verstand macht daraus: „Nachdem ich ein rotes Auto hatte, haben sich ganz viele Leute auch ein rotes Auto gekauft.“
Auch wenn wir denken, wir wären objektiv, spielen auch Erfahrungen, Erwartungen (gegenüber sich selbst und anderen) sowie erlernte Verhaltensmuster mit in unsere Wahrnehmung hinein. Sie prägen uns unbewusst und unsere Objektivität geht unbemerkt verloren, so dass dieses subjektive, persönliche, verfärbte Wissen für die Wahrheit gehalten wird und wir merken es meistens nicht.
Das wäre ja nicht so schlimm, wenn es uns nicht davon abhalten würde, glücklich zu sein oder zu werden. Es geht nämlich noch weiter: Avidya ist ein sogenanntes „Klesha“. Übersetzen könnte man diesen Begriff mit „Geistestrübung“. Mit Avidya fängt alles an und vier weitere Apsekte trüben unseren Geist:
Asmita: Ego, Identifizierung („warum passiert sowas immer mir?“),
Raga: Anhaftung an die materielle Welt, Wunsch, Bindung, Begierde, Leidenschaft, Genuss. Wenn wir uns nicht von liebgewonnenen Gewohnheiten lösen können, nicht akzeptieren, dass wir nicht mehr haben können, was uns Freude machte, keine Veränderung erlauben, führt das zu Leid.
Dvesha: Abneigung oder auch Angst vor dem Unbekannten führt zu unbegründeter Ablehnung. So kann Missgunst, Intoleranz, Fanatismus u.v.m. entstehen.
Abhinivesha: Angst. Angst vor der Zukunft, Existenzangst, Panik, Angst vor Krankheit, Tod. Angst kann krank machen.
Fazit: Versuche immer objektiv zu sein, und die Dinge stets aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten. Erst dann, wenn Deine Wahrnehmung nicht mehr subjektiv getrübt wird, kannst Du die Dinge sehen, wie sie sind, um Dich nicht von den Kleshas Deines Glücks zu berauben.
Um Freiheit von diesen Geistestrübungen zu erlangen, nutze jede Möglichkeit, Deinen Geist zur Ruhe zu bringen. So gelingt es Dir am ehesten, Objektivität und Klarheit zu gewinnen, um zu erkennen, welchem Einfluss Wahrheiten unterliegen – auch Deine eigenen.